Sexualität. Auch ich, wie jeder andere Mensch vor mir und nach mir, bin irgendwann mit dem Thema Sexualität in Verbindung getreten.
Ich kann nicht genau sagen, wann ich zum ersten Mal davon hörte oder wann ich zum ersten Mal ein Pärchen knutschen gesehen habe, aber bereits in der Grundschule wusste ich was ein Zungenkuss ist und wie die Babies entstehen.
Bevor ich zum Kern der Überschrift komme, möchte ich nicht nur ein bissl davon erzählen, wie ich als Kind mit dem Thema Sexualität in Berührung kam und wie ich damit umging, sondern auch, was mich als Kind interessierte und welche Stellung die Sexualität damals für mich als Grundschülerin hatte.
Ich weiss noch, als mein Vater mit mir und meinem Bruder im Esszimmer saß und meine Mama in der Küche handierte und er fragte uns ob wir wüssten woher die Babys kommen.
Und ich wusste, dass wird jetzt so ein Must-have-Gespräch zwischen Eltern und Kinder werden, wie in dem Film „My Girl“, den ich damals bereits gesehen habe.
Mein Bruder und ich fanden es mega peinlich und wir kicherten.
Damals war ich bereits 10 Jahre alt und schon längst aufgeklärter, als wohl meine Eltern es von mir dachten.
Mein Vater, der Inquisitor
Aber mein Vater bestand darauf mit uns darüber zu reden. Er fragte nochmal und ich wusste er würde nicht locker lassen. Mein kleines Brüderchen kicherte nur und da nahm ich das in die Hand und antwortete, dass ich das weiss und es auch erklären kann.
Und natürlich sollte ich es beweisen indem ich es erkläre, was ich damals oberpeinlich fand. Aber okay. Ich willigte ein und ging es an.
Bevor ich den ganzen Vorgang des Befruchtungsaktes erklärte, hab ich mir die Finger in meine Ohren gesteckt, damit ich es nicht selbst hören musste. Haha! Das war eben meine Art mich durch diese mega peinliche Situation zu manövrieren. Ohren zu und durch.
Ich hatte beide Zeigefinger im Ohr und erzählte schnell, Schritt für Schritt, wie die Befruchtung der Frau funktioniert, also wie der Geschlechtsverkehr abläuft.
Mein Vater war soweit zufrieden mit meiner Erklärung und so wusste er nun, dass ich aufgeklärt war.
Im Nachhinein fand ich es dann auch nicht mehr so schlimm und war froh, dass wir darüber gesprochen haben und vor allem, dass das Verhör endlich vorbei war. Auch, wenn es mega peinlich war.
Woher nur dieses Gefühl der Peinlichkeit ?
Warum aber hatte ich so ein Peinlichkeitsgefühl ?
Eine gute Frage, die ich bis heute nicht wirklich beantworten kann. Woher kam dieses Gefühl der Peinlichkeit nur? Es gab eigentlich gar keinen Grund. Denn meine Eltern waren ganz entspannt, wenn es um Nacktheit oder um Körperlichkeiten ging. Sie waren und sind keine Hippies, aber auch keine friegiden streng katholischen Fanatiger, die Nacktheit ablehnen und als böse deklarieren.
Es war eine gesunde Art und Weise wie bei uns in der Familie mit körperlichen Themen und Nacktheit umgegangen wurde, wie ich finde.
Noch nie hab ich mich geschämt, dass ich ein Mädchen bin. Ich fand es nur total doof, als ich erfuhr, dass Mädchen diese monatliche Blutung bekommen, wenn sie so um die 13 Jahre alt sind. Das hat mich mega angekotzt. Das wollte ich nicht. Hab es aber dann schnell wieder vergessen, bis ich dann 13 Jahre alt war (lol)
Woher aber dennoch dieses Gefühl der Peinlichkeit kam, ist für mich bis heute rätselhaft. Wahrscheinlich aufgrund einer Entwicklungsphase, in der ich zu dieser Zeit steckte.
Nun, Sexualität war immer irgendwie im Alltag dabei. In der Klasse wurden Liebesbriefe hin und her geschickt, jedes Mädchen hatte seinen Favoriten-Jungen und irgendwie drehte sich immer mehr darum, wer schon einen Freund und wer schon mal geknutscht hatte.
Klar war das auch für mich interessant, aber ich hatte auch noch andere Interessen. Während alle Mädels um mich herum es kaum erwarten konnten, ihre erste Periode zu bekommen, hab ich mich nur gewundert, warum man denn so begierig darauf sein konnte untenrum zu bluten.
Warum wollten alle unbedingt untenrum bluten?
Ich fand das seltsam und doof. Für mich war eindeutig Abenteuer immer interessanter. Was erleben, was machen, entdecken, erfinden.
Für mich gab es nichts besseres als nach der Schule nach Hause zu kommen, den Schulranzen in die Ecke zu werfen und raus zu gehen! Raus gehen und schauen was der Tag so bringt.
Meine Mutter hatte es meistens leicht mit mir, denn sie hat mich meistens den ganzen Nachmittag garnicht oder kaum gesehen, weil ich entweder im Tal, in den Felsen, auf nem Bauernhof oder auf Erkundung neuer Abenteuergebiete war.
Ich kannte meine Kleinstadt und die Umgebung wie meine Westentasche. Keine Höhle, keine Gasse, kein dunkles Eck war vor mir sicher.
Rennen, springen, klettern, alle möglichen Geräte fahren und alle anderen Möglichkeiten von Bewegung wurden von mir tagtäglich entdeckt, entwickelt, erweitert und es gab für mich kein Ende. Mauerspringen, Schaukel-Hoch-Sprung, Baumklettern, Schanzenspringen. Für unsere Kindergang aus der Nachbarschaft gab es nichts, was wir nicht gemacht haben. Wir waren unaufhaltsam, laut, haben uns auch öfter geprügelt und Langeweile wurde von uns immer in Abenteuer umgewandelt.
Regelmäßig musste meine Mutter mich abends suchen und quasi einfangen, damit sie mich ins Bett bekam. Drinnen im Haus sein, am Schreibtisch sitzen und Bücher lesen war für mich eine einzige Qual.
Ich war noch nie dumm und als Kind habe ich schon vor Hunderten Menschen in der Kirche gesprochen
Hausaufgaben haben mich immer Überwindung gekostet. Allerdings fand ich den Unterricht immer gut. Nur das lange Sitzen war immer eine Qual. In den Pausen bin ich meistens rumgerannt. Es gab immer jemand, der gejagt werden wollte. Meine Noten waren durchschnittlich. Allerdings habe ich zu Hause kaum gelernt. Das meiste Wissen habe ich mir aus dem Unterricht gezogen. Fleißaufgaben fand ich schon immer doof und unverfroren. Und ich empfand Hausaufgaben immer als sehr unfair. Das hat mich immer wütend und ungläubig gemacht. Warum soll man denn noch Zuhause Aufgaben machen, wenn wir in der Schule schon Stunden lang gelernt haben? Das ergab für mich keinen Sinn.
Ich wollte in der Schule lernen und danach raus in die Natur!

Ich fand alle Fächer interessant, aber Kunst, Sport und Religion/ Ethik waren meine Lieblingsfächer. Danach kamen dann Biologie, Deutsch und Musik.
Meine Eltern waren nicht so drauf, dass sie für mich Freizeitaktivitäten ausgesucht haben. Leichtathletik habe ich mir selbst ausgesucht und mitgemacht. Blockflöte spielen lernen war ebenfalls meine eigene Entscheidung.
Und wenn ich etwas unbedingt wollte, habe ich meine Mama gefragt und die hat mir immer geholfen, wie sie konnte.
Nicht jedes Kind hat Eltern, die dazu fähig sind dem Kind die richtige Förderung zu geben.
Dabei muss nicht immer der Geldmangel als Grund dienen. Oft, so stelle ich es immer wieder fest, ist es der Mangel an Aufmerksamkeit, der die Eltern von ihren Kindern immer weiter entfernen lässt.
Das ist für mich der Hauptgrund Nummer 1, warum Familien zerbrechen: Aufmerksamkeitsdefizit.
Darum gilt es nicht diejenigen zu therapieren, die an den Auswirkungen leiden, sondern es gilt, die Ursache zu bekämpfen.
Und das ist sowohl der Zeitmangel als auch der Mangel an Muse für die eigene Familie.

TEIL 2 folgt ….
